Der umstrittene Reformplan liegt auf Eis:
Steht der amtliche Sportbootführerschein vor dem Aus oder bleibt alles beim Alten?
Bleibt der Sportbootführerschein jetzt doch erhalten?
Im vergangenen Jahr ging ein deutliches Raunen durch die gesamte Wassersportbranche: Der damalige Verkehrsminister Schnieder wollte gemeinsam mit seinem Adlatus das bewährte System der amtlichen Sportbootführerscheine komplett abschaffen. Mit großem Aufwand wurde ein Referentenentwurf präsentiert, der den Sportbootführerschein durch reine Verbandsscheine ersetzen sollte. Wer danach doch ein internationales Patent benötigte, hätte das ICC (International Certificate for Operators of Pleasure Craft) extra zusätzlich beantragen müssen.
Schon diese Idee stellte absolut keine Vereinfachung dar, sondern eine schlichte Verdopplung des gesamten Verwaltungsaufwands. Vor allem hätte die Ausbildungsqualität massiv darunter gelitten: Laut Entwurf hätte man für die Prüfung zum SBF See sogar zwingend an die Küste reisen müssen, da Prüfungen nur noch dort hätten abgenommen werden dürfen. Ganz zu schweigen von den immensen Anpassungen, die in der Sportschifffahrtsverordnung und allen anhängenden Regelwerken nötig gewesen wären.
Die aktuell mit der Prüfungsabnahme beauftragten Verbände liefen zu Recht Amok. Es wurde sogar unverhohlen mit einer Verfassungsbeschwerde gedroht, da sich das Bundesverkehrsministerium aus seiner hoheitlichen Verantwortung stehlen wollte.
Ist das Vorhaben nun endgültig Makulatur?
Eigentlich wollte der Ex-Minister diesen Entwurf bis zu diesem Sommer durchgeboxt haben. Doch nun ist Herr Schnieder als Verkehrsminister Geschichte – der Bundeskanzler ersetzte ihn durch Herrn Bilger.
Fest steht: Der neue Minister muss im Verkehrsministerium an ganz anderen Baustellen aufräumen. Themen, die nur eine verhältnismäßig kleine Gruppe betreffen, genießen dort sicher keine hohe Priorität. Und angesichts der angedrohten Verfassungsbeschwerde wird sich Herr Bilger an diesem Nischenthema kaum die Finger verbrennen wollen.
Meine Meinung dazu?
Der Sportbootführerschein war tot – es lebe der Sportbootführerschein!
Ich rechne in dieser Legislaturperiode mit keinerlei Änderungen mehr und gehe davon aus, dass das Thema sang- und klanglos unter den Tisch fallen wird. Schade ist es um die unzähligen Arbeitsstunden hochdotierter Experten, die aufgewendet werden mussten, um diesen unserer Meinung nach irrsinnigen Entwurf zu diskutieren und zu bekämpfen.
Man möge uns nicht falsch verstehen: Wir verschließen uns keineswegs sinnvollen Neuerungen. Aber Reformen sollten einen Schritt nach vorne bedeuten und nicht zurück in die Vergangenheit. Vor vielen Jahren wurden die alten Verbandsscheine durch den amtlichen Sportbootführerschein aufgewertet – diesen Fortschritt jetzt wieder rückgängig zu machen, wäre schlichtweg der falsche Kurs gewesen.
Ich wünsche dem neuen Verkehrsminister Bilger viel Zuversicht und vor allem Weitsicht, dass er das Verkehrsministerium mit Intelligenz und fortschrittlichen Ansichten nach vorne bringt!